Climbing high 1939

Am Samstag, 23.7.2016 startet die dritte Gomaringer Landpartie!

Tweed Runs oder -Rides gibt es ja inzwischen total viele. Manche richtig professionell von Marketing-Gesellschaften zur Förderung des Tourismus organisiert und auch vom Rechteinhaber gegen Zahlung einer nicht unerheblichen Summe lizensiert.

Wir sind auch gerne auf solchen Veranstaltungen zu Gast und erfreuen uns an den verschiedensten Fahrzeugen, Outfits und Vorstellungen der Menschen, was deren Meinung wohl zum Anlass angemessen erscheint.

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Die Gomaringer Landpartie hat eine andere Idee. Unserer Meinung nach gibt es einige Aspekte der Swing-Ära, von denen wir uns heute eine Scheibe abschneiden können und vielleicht auch sollten. Die meisten Dinge waren gemacht, um sehr lange in Gebrauch zu sein. Hervorragende Materialien, exzellente Konstruktion, Verarbeitung und Reparierbarkeit gehören dazu. Heute nennt man das „Sustainability“, denn „Nachhaltigkeit“ klingt ja auch schon wieder zu altbacken. 

Das Design der Art Deco-Zeit begeistert nach wie vor Menschen jeden Alters. Und dass die besten Musiker der Welt zum Ziel hatten die Jugend zum Tanzen zu bringen – davon kann man heute eben nur träumen. Weder vorher noch nachher war Tanzmusik so intelligent oder Jazz so tanzbar.

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Die Avantgarde der Sportbegeisterten entdeckt nun heute auch wieder, dass Naturmaterialien wie Wolle und Leinen einfach sehr gut geeignet waren und sind, um den Menschen bei körperlicher Betätigung zu kleiden. „Funktionswäsche 2.0“ sozusagen – dabei war das ja seit Urzeiten bekannt. Man wollte jedoch in den 50ern und 60ern die Kriegszeit aus dem Gedächtnis tilgen und hat dabei so einiges zu viel mit über Bord gekippt: Hochwertige Fahrradsättel aus Leder zum Beispiel.

Die Gomaringer Landpartie richtet sich an alle, die sich mit ihren Gedanken hier wiederfinden. Wir wollen etwas wiederbeleben, was vergessen wurde – ohne dabei wirkliches Reenactment zu betreiben. Es ist irgendwo zwischen Tweed-Run und Reenactment anzusiedeln. Keine Presse, keine Publicity, keine Zuschauer. Wir machen das nur für uns, nicht für das Sehen und Gesehen werden. Nette Menschen auf der Suche nach dem besonderen Moment. 

Und der besondere Moment ist ja meist leicht flüchtig.

Typischer Tweed Run
Typische Teilnehmer eines herkömmlichen Tweed Runs – man erkennt die leicht unterschiedlichen Interpretationen des Themas.

Wie ein kleiner Vogel fliegt er schnell davon, wenn ihn etwas stört. Was stört bei dem Wunsch eine kleine Zeitblase zu betreiben?  Alles, was auf den ersten Blick nicht in die Swing-Zeit gehört: Tupperzeug für das Picknick, Plastikflaschen, Mobiltelefone, Digitalkameras, umpassende Sonnenbrillen, moderne Armbanduhren, und so weiter … die Liste ist lang. Und nichts davon wird wirklich für eine Landpartie gebraucht. Dabei muss niemand zu 100% authentisch ausgestattet sein – man lässt die unpassenden Stücke einfach zu Hause. Wir stellen gerne reichlich Butterbrotpapier zur Verfügung.

Für die geschätzten Fahrzeuge gilt vergleichbares. Das Thema Authentizität ist aber bekannermaßen das Reizthema schlechthin – es gibt mehr Meinungen dazu, als wir Speichen in den Rädern haben.

Picknick 1 Picknick mit allem

Die Regelung für die Landpartie haben wir recht offen gehalten: Das Fahrrad muss den optischen Eindruck eines Rades der 1920er bis 1940er Jahre machen.

Fahrradkleidung 1940  Auch in den 60ern wurden noch reichlich dieser Räder produziert – diese haben dann aber z.B. keine Metalliclackierung. Und der Kunststoffanteil war sehr gering.

Dass der Kenner die Linierung, Strahlenköpfe, Schutzblechreiter und Nabentechnik sofort als Nachkriegsware identifiziert kann – das soll bei uns keine Rolle spielen. Und auch wenn wohl kaum ein deutsches Fahrrad zur damaligen Zeit mit einem Brooks-Sattel ausgestattet war, so verkörpert eben jener Sattel genau das, was oben unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit angesprochen wurde. Er ist immer noch da, immer noch gut und wird nach wie vor gefertigt.

 

Speichenreflektoren und Reifen mit Reflexstreifen hingegen braucht kein Mensch, die bleiben besser im Jahr 2016 und machen für die Landpartie eine Pause.

tandem-in-den-1930ern

 

Das Programm der Landpartie

Wir informieren alle Teilnehmer direkt über das Programm: Beginn, Ort und so weiter und so fort. 

Auschlusskriterien

Zu guter Letzt – wie immer – ein paar Beispiele für Unerwünschtes. Diesmal Verschiedenstes aus Primärquellen, das somit als perfekt belegt angenommen werden kann. Und dennoch als problematisch eingestuft werden muss.

The Cyclists Friend

Der Themenkomplex „Sicherheit im Straßenverkehr“ wird seit ewigen Zeiten kontrovers diskutiert. Wir sind froh, dass die passive Sicherheit inzwischen eher durch Reflektoren am hinteren Schutzblech erhöht wird, als durch lovely little shooters.

Tandem

Die leidige Frage: „Was ziehe ich bloß als Dame zum Fahrradfahren an?“ ist immer noch aktuell. Diese Beiden waren die Diskussion leid und sind so auf jeden Fall nicht falsch angezogen.

Rocket Bicycles, ca. 1930s (2)

Wir versuchen diesmal auf Hilfsantriebe weitestgehend zu verzichten.

Kein Fahrrad

Es gab schon immer unterschiedliche Vorstellungen über die Natur einer „Radtour“. Bei dieser Reisegruppe gibt es aber wenigstens keine Diskussion über das Ziel, die Route oder gefährliche Überholvorgänge.

Aviette

Die Breite dieses Fahrzeugs entspricht nicht den heutigen Vorschriften (den zeitgenössischen übrigens auch nicht). Und wir garantieren, dass es sich um ein Fahrzeug handelt, nicht um ein Fluggerät.

bicycle music corps Ein wesentlicher Vorteil des Fahrrades, nämlich die nahezu lautlose Fortbewegung, wird so komplett zunichte gemacht.
Typische Freizeitbeschäftigung

Dieser wohl üblichen Freizeitbeschäftigung werden wir beim Picknick nicht grundlos oder zum bloßen Vergnügen nachgehen.

Schwimmfahrrad

Wir laden den Herrn zum nächsten Bootsausflug sehr gerne ein. Willkommen ist er allerdings auch schon zur Landpartie bei Starkregen als Rettungs- und Bergungsfahrzeug.

ingo bike 1930s

Bei genauerem Betrachten des Hinterrades stellen wir fest: Diesen beiden Trunkenbolden überlassen wir kein Rad mehr zum Einspeichen.

Aber vielleicht können sie den Murks ja als neuartiges Sportgerät unter dem Namen „Ingo-Bike“ vertreiben? (O nein, ich sehe gerade: genau das haben sie gemacht …)

Glücklicher Kunde von Ingo-Bike

… und hier ein weiterer glücklicher Kunde von obenstehenden Unternehmern. Anfahren am Berg ist hiermit viel sicherer, da man nicht zurückrollt. Einfacher ist es aber nicht, denn vorwärts rollt man ja auch nicht recht.

Schlechte Laune ist programmiert

Keine Frage, die Ausstattung ist schon in Ordnung (der Hut). Aber die Spaßbremse verbreitet immer so schlechte Stimmung.